Urlaubsgeld: Gibt es einen Anspruch? Höhe, Steuer und der Unterschied zum Urlaubsentgelt
Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht; er entsteht nur aus Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, betrieblicher Übung oder Gleichbehandlung. Das Urlaubsentgelt nach § 11 BUrlG, also Ihr Lohn im Urlaub, steht Ihnen dagegen immer zu.
Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es in Deutschland nicht: Sie bekommen es nur, wenn ein Tarifvertrag, Ihr Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung, eine betriebliche Übung oder der Gleichbehandlungsgrundsatz es vorsehen. Davon zu trennen ist das Urlaubsentgelt nach § 11 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), also Ihr normaler Lohn während des Urlaubs, der Ihnen immer zusteht; Urlaubsgeld wird steuerlich in der Regel als sonstiger Bezug behandelt.
Dieser Ratgeber erklärt, woher ein Anspruch kommen kann, wie hoch Urlaubsgeld 2026 typischerweise ausfällt, wie es versteuert wird und wann Sie es zurückzahlen müssen.
Urlaubsgeld oder Urlaubsentgelt: Was ist der Unterschied?
Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, rechtlich sind sie grundverschieden.
| Urlaubsentgelt | Urlaubsgeld | |
|---|---|---|
| Was ist das? | Fortzahlung des normalen Lohns für die Urlaubstage | Zusätzliche Sonderzahlung zum Urlaub |
| Rechtsgrundlage | § 11 BUrlG | Tarifvertrag, Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, betriebliche Übung, Gleichbehandlung |
| Anspruch | Immer, für den gesetzlichen Urlaub | Nur, wenn eine dieser Grundlagen besteht |
| Höhe | Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen | Je nach Regelung: Pauschale, Prozentsatz, Betrag pro Urlaubstag |
| Fälligkeit | Vor Antritt des Urlaubs | Wie vereinbart |
Wie wird das Urlaubsentgelt nach § 11 BUrlG berechnet?
Nach § 11 Abs. 1 BUrlG bemisst sich das Urlaubsentgelt nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, den Sie in den letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn erhalten haben. Dabei gilt:
- Überstundenvergütung zählt nicht mit. Der zusätzlich für Überstunden gezahlte Verdienst bleibt außen vor.
- Dauerhafte Gehaltserhöhungen zählen. Steigt Ihr Verdienst im Berechnungszeitraum oder während des Urlaubs nicht nur vorübergehend, ist vom erhöhten Verdienst auszugehen.
- Unverschuldete Kürzungen zählen nicht. Verdienstkürzungen durch Kurzarbeit, Arbeitsausfälle oder unverschuldete Arbeitsversäumnis bleiben außer Betracht.
- Sachbezüge, die Sie im Urlaub nicht weiter erhalten, sind für die Dauer des Urlaubs angemessen in bar abzugelten.
Nach § 11 Abs. 2 BUrlG ist das Urlaubsentgelt vor Antritt des Urlaubs auszuzahlen. In der Praxis läuft es meist einfach mit dem Monatsgehalt weiter.
Beispiel: Greta verdient in den 13 Wochen vor ihrem Urlaub 11.700 € ohne Überstundenvergütung. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind das 65 Arbeitstage, also 180 € pro Urlaubstag. Für zehn Urlaubstage stehen ihr 1.800 € Urlaubsentgelt zu. Urlaubsgeld käme nur obendrauf, wenn es vereinbart ist.
Habe ich einen Anspruch auf Urlaubsgeld?
Ein Gesetz, das Urlaubsgeld vorschreibt, gibt es nicht. Ein Anspruch kann sich aber aus mehreren Quellen ergeben.
Tarifvertrag
Viele Tarifverträge regeln ein Urlaubsgeld. Der Unterschied ist deutlich: Laut einer Auswertung des WSI der Hans-Böckler-Stiftung vom Juni 2026, die auf einer Befragung von rund 50.000 Beschäftigten über das Portal Lohnspiegel.de beruht, erhalten in tarifgebundenen Betrieben der Privatwirtschaft 73 % der Befragten Urlaubsgeld, ohne Tarifvertrag nur 35 %. Insgesamt bekommen 2026 rund 44 % der Beschäftigten in der Privatwirtschaft Urlaubsgeld, genauso viele wie 2025.
Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung
Steht das Urlaubsgeld in Ihrem Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung, haben Sie einen Anspruch in der dort geregelten Höhe. Lesen Sie die Klausel genau: Höhe, Stichtag, Kürzung bei Teilzeit und mögliche Rückzahlungsbedingungen stehen meist dort.
Betriebliche Übung
Zahlt der Arbeitgeber Urlaubsgeld wiederholt, ohne einen wirksamen Vorbehalt zu machen, kann daraus ein Anspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) geht von der Faustregel aus, dass eine zumindest dreimalige vorbehaltlose Gewährung zur Verbindlichkeit erstarkt (BAG, Urteil vom 25. Januar 2023, 10 AZR 109/22).
Im selben Urteil hielt das BAG fest:
- Ein pauschaler Freiwilligkeitsvorbehalt im Arbeitsvertrag war unwirksam, weil er den Arbeitnehmer nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unangemessen benachteiligt. Er verhinderte die betriebliche Übung daher nicht.
- Eine einfache Schriftformklausel verhindert das Entstehen einer betrieblichen Übung nicht.
- Schwankte die Höhe von Jahr zu Jahr, darf der Arbeitgeber jedes Jahr nach billigem Ermessen (§ 315 BGB) neu entscheiden. Eine Kürzung auf null ohne Darlegung der wirtschaftlichen Lage entsprach diesem Maßstab nicht; das Gericht legte die Höhe anhand der Vorjahreswerte selbst fest.
Gleichbehandlungsgrundsatz
Zahlt der Arbeitgeber Urlaubsgeld nach einer selbst gesetzten Regel, muss er vergleichbare Beschäftigte gleich behandeln. Laut BAG verbietet der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz nicht nur die willkürliche Schlechterstellung Einzelner, sondern auch eine sachfremde Gruppenbildung (BAG, Urteil vom 13. April 2011, 10 AZR 88/10). Eine Gruppe darf nur ausgenommen werden, wenn sich das aus dem Zweck der Leistung sachlich rechtfertigen lässt.
Für Teilzeitkräfte gilt zusätzlich § 4 Abs. 1 TzBfG: Arbeitsentgelt oder eine andere teilbare geldwerte Leistung ist mindestens anteilig im Verhältnis zur Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten zu gewähren. Wer 50 % arbeitet, bekommt also mindestens die Hälfte. Für befristet Beschäftigte gibt § 4 Abs. 2 TzBfG eine vergleichbare Regel nach der Beschäftigungsdauer im Bemessungszeitraum. Mehr zur Teilzeit lesen Sie in unserem Beitrag zum Urlaubsanspruch in Teilzeit.
Wie hoch ist das Urlaubsgeld 2026?
Eine gesetzliche Höhe gibt es nicht. Üblich sind ein fester Pauschalbetrag, ein Prozentsatz des Monatsgehalts oder ein Betrag pro Urlaubstag.
Für tarifliche Regelungen zeigt die WSI-Auswertung 2026 eine große Spanne:
| Branche (Beispiele laut WSI 2026) | Tarifliches Urlaubsgeld |
|---|---|
| Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern | 186 € (niedrigster Wert) |
| Papier-, Metall-, Druckindustrie, Kfz-Gewerbe | über 2.000 € |
| Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie Westfalen-Lippe | 2.904 € (höchster Wert) |
Ohne Tarifbindung gilt das, was in Ihrem Vertrag steht, oder, bei betrieblicher Übung, was in den Vorjahren gezahlt wurde.
Muss ich auf Urlaubsgeld Steuern und Sozialabgaben zahlen?
Ja. Urlaubsgeld ist steuer- und beitragspflichtiger Arbeitslohn.
Lohnsteuer: Die Lohnsteuer-Richtlinien (R 39b.2 Abs. 2 LStR) nennen „Urlaubsgelder, die nicht fortlaufend gezahlt werden" ausdrücklich als sonstigen Bezug. Für die Lohnsteuer ermittelt der Arbeitgeber nach § 39b Abs. 3 EStG den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne und mit dem Urlaubsgeld; die Differenz der beiden Jahressteuerbeträge ist die Lohnsteuer auf das Urlaubsgeld. Ein sonstiger Bezug gilt in dem Kalenderjahr als bezogen, in dem er Ihnen zufließt (§ 38a Abs. 1 EStG). Wird das Urlaubsgeld dagegen monatlich anteilig gezahlt, ist es laufender Arbeitslohn.
Sozialversicherung: Einmalig gezahltes Urlaubsgeld gehört zum einmalig gezahlten Arbeitsentgelt nach § 23a SGB IV. Es wird grundsätzlich dem Monat zugeordnet, in dem es gezahlt wird, und ist beitragspflichtig, soweit die anteilige Beitragsbemessungsgrenze des laufenden Jahres noch nicht erreicht ist.
Darum wirkt der Abzug im Auszahlungsmonat oft höher als erwartet. Wer eine Einkommensteuererklärung abgibt, bei dem wird die Jahressteuer dort endgültig festgesetzt.
Muss ich Urlaubsgeld zurückzahlen, wenn ich kündige?
Hier hilft die Unterscheidung von oben:
- Urlaubsentgelt: Scheiden Sie nach erfüllter Wartezeit in der ersten Jahreshälfte aus und haben schon mehr Urlaub erhalten, als Ihnen zusteht, kann das dafür gezahlte Urlaubsentgelt nach § 5 Abs. 3 BUrlG nicht zurückgefordert werden.
- Urlaubsgeld: Ob eine Rückzahlung infrage kommt, hängt von der konkreten Regelung in Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung ab. Prüfen Sie dort, ob es einen Stichtag oder eine Rückzahlungsklausel gibt und für welchen Fall sie gilt.
Was mit nicht genommenen Urlaubstagen beim Ausscheiden passiert, erklärt unser Beitrag zur Urlaubsabgeltung. Und wenn Sie im Urlaub krank werden, lesen Sie wann Sie Urlaubstage zurückbekommen.
Urlaubstage sauber erfassen
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Häufige Fragen zum Urlaubsgeld
Ist Urlaubsgeld gesetzlich vorgeschrieben? Nein. Gesetzlich garantiert ist nur das Urlaubsentgelt, also die Fortzahlung Ihres Lohns während des Urlaubs nach § 11 BUrlG. Urlaubsgeld gibt es nur, wenn es tariflich, vertraglich, per Betriebsvereinbarung oder aus betrieblicher Übung zugesagt ist.
Mein Arbeitgeber zahlt seit drei Jahren Urlaubsgeld. Habe ich jetzt einen Anspruch? Möglicherweise. Nach dem BAG erstarkt eine zumindest dreimalige vorbehaltlose Zahlung in der Regel zur Verbindlichkeit (betriebliche Übung). Entscheidend ist, ob ein wirksamer Vorbehalt bestand; ein pauschaler Freiwilligkeitsvorbehalt im Arbeitsvertrag reichte im Fall 10 AZR 109/22 nicht.
Warum bleibt vom Urlaubsgeld netto so wenig übrig? Weil es als sonstiger Bezug versteuert wird und im Auszahlungsmonat Sozialabgaben anfallen. Die Lohnsteuer wird über die Differenz der Jahressteuer mit und ohne Urlaubsgeld berechnet.
Bekomme ich als Teilzeitkraft Urlaubsgeld? Wenn Vollzeitkräfte im Betrieb Urlaubsgeld erhalten, steht es Ihnen nach § 4 Abs. 1 TzBfG mindestens anteilig zu Ihrer Arbeitszeit zu, sofern kein sachlicher Grund eine Ungleichbehandlung rechtfertigt.
Zählen Überstunden beim Urlaubsentgelt mit? Nein. § 11 BUrlG nimmt den zusätzlich für Überstunden gezahlten Verdienst ausdrücklich aus der 13-Wochen-Berechnung heraus.
Stand 2026. Regelungen und Rechtsprechung können sich ändern; prüfen Sie im Zweifel die offiziellen Quellen, etwa den Gesetzestext auf gesetze-im-internet.de, und Ihren Tarif- oder Arbeitsvertrag.